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Text 5 / Jürgen Becker, „Die Türe zum Meer“, Seite 115/116
Am nächsten Morgen bezeichneten wir die Punkte der Verständigung. Überall, wo ein Aufenthalt
möglich war, legten wir eine Zeitung hin. Das ergab eine Linie zwischen den Ereignissen der Woche.
Mit bestimmten Zeichen forderten wir zum Weitergehen auf.
Das Haus erwies sich als größer als gedacht. Flächen voller Staub benutzten wir für schriftliche
Mitteilungen; in dieser Gegend verschlossen wir sorgfältig die Fenster. Gegen Mittag stellten wir die
Suppenschüsseln auf und suchten für die Suppe den kürzesten Weg. Auf den Treppen streuten wir
Salz. Ohne Auseinandersetzung verlief der Nachmittag; zum Zeichen der Müdigkeit begannen wir
leise zu summen. Erst der Abend machte uns ratlos; mit dem Licht der Lampen entstand ein
Schattensystem, das einige unserer Vorrichtungen veränderte, weshalb wir uns ziemlich verirrten.
Wir löschten ein Licht nach dem anderen; in der Finsternis begannen wir uns weiterzutasten, und
solange wir nichts berührten, entstanden keine Probleme. Später, als der Mond durch die Fenster
kam, konnten wir stehenbleiben und für eine Weile die Unruhen draußen betrachten.

 

[Bild: Kommunikation]

Kommunikation (1999),
Gouache auf Papier, Collage, 29,7 x 42 cm
Eine, mehr als die Hälfte des Bildes, einnehmende
graue Fläche, exakt beschnitten, mit roten Pfeilen,
Buchstaben und Zahlen symbolisiert eine Basis der
Kommunikation der Menschen: Zeichen, Regeln und
Maxime, seien sie auch noch so grotesk, werden
aufgestellt, um ein Zusammenleben möglich zu
machen. Aber selbst eigen initiierte Systeme, die
wieder von anderen Gesetzen in Frage gestellt werden,
werden dann eliminiert, wenn sie uns verwirren. Der in
den grauen Bereich überlappende gelbweiße Balken
stellt das Licht dar, welches eine Verbindung zwischen
der geregelten Plattform und den “Unruhen draußen”
schafft. - Die Möglichkeit, in eine “ungeordnete” Welt zu
schauen. Eine Bewertung der beiden Bereiche gibt es
nicht. Zwei unregelmäßig konturierte Farbflächen
veranschaulichen die “Unruhen”. Die hellblaue Fläche
steht für die Eventualität der positiven Eigenschaft
dieser ungeordneten Welt: Der Kreativität kann man
keine Grenzen setzen. Die schwarze Fläche, in ihrem
starken Kontrast, vermittelt die negative Möglichkeit
einer nicht geordneten Gesellschaft: das Chaos.

 

Text 6 / Jürgen Becker

Der Mond, wie er von den Wolken gejagt wird.
Aber jedesmal, wenn er zwischen den schwarzen Rudeln
auftaucht, zeigt er sich unversehrt.
Wahrscheinlich ist es seine Ruhe, die das Ganze Gehetze
provoziert. Sobald er verblaßt, steht auch der Himmel still.




[Bild: Zwei Himmel, abgerissen]]

Zwei Himmel, abgerissen (1999),
Gouache auf Papier, Collage, 29,7 x 42 cm

Zwei Situationen, die einen Gegensatz beschreiben,
von Hast und Ruhe - auf ein Blatt Papier gebannt, von
Bewegung zum Stillstand gebracht. Diese werden von
zwei untereinander gesetzten, ausgerissenen
Papierstreifen gezeigt, mit der Darstellung des
jeweiligen Himmels.

Der dynamische und grobe Auftrag der schwarzen
Farbe im oberen Teil ist die “Jagd” und die Hetze des
Naturelementes: Wind. Und mitten drin eine blaßgelbe,
runde Fläche, die “unversehrte Ruhe” ausstrahlt.
Diese Ruhe veranlaßt die Unruhe.

Wenn der Mond verblaßt, dann bleibt eine blaue Fläche
mit monotonem Strich, von links nach rechts,
aufgetragen. Und diese bewirkt einen Stillstand,
gar ein Schweigen.

 

[Bild: Aufbruch]

 

Aufbruch (1998), verk.
Gouache auf Papier, Collage, 29,7 x 42 cm

Eine starre, graue Farbfläche, auf Papier
montiert und eingerissen, lässt so ein
kleines Stück blaue Farbe sehen.
Aufbruch ist Bewegung - Lösen von
erstarrten Lebensweisen, und der Blick
nach vorne gibt ein Stück blauen Himmel
frei - die Hoffnung.
Die dabei verwendete Technik gibt den
Objekten und Flächen eine unverkennbare
Struktur. Dabei werden Gouachefarben in
unterschiedlicher Dichte mit dem Spachtel
und dem Pinsel auf das Papier aufgetragen.